Die latein-amerikanischen Tänze: Die Standard-Tänze:
   



Samba:

Taktart: Der Takt ist 2/4.
Betonung: Ein vorwiegend durch Schlaginstrumente erzeugter Akzent betont den 2. Taktschlag eines jeden Taktes.
Tempo: 50/52 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Er stammt in seiner stationären Grundform aus Brasilien bzw. aus uralten Kreistänzen der Bantu-Neger und wurde in Europa zum variationsreichen Turniertanz entwickelt.
Charakter: In Wiegeschritten und Voltadrehungen, Rollen und Promenadenläufen bewegen sich die Paare wellenförmig durch den Raum. Während die Wellenbewegungen früher aus einem Erheben im Bein kam (Bounce), wird sie heute mehr durch die Bauchmuskulatur erzeugt (Contraction und Release). Besonders wichtig ist hier auch die Reaktion des Beckens. Die Samba zeigt Ausgelassenheit des Paares. Die in der Musik klar definierten verschiedenen Rhythmen müssen im Tanz erkennbar werden.

Samba Bounce Aktion:
Die Samba Bounce Aktion wird durch Beugen und Strecken von Knie und Sprunggelenk des Beines erzeugt, das den Hauptteil des Gewichtes trägt und zwar bei allen Bewegungen, die im Rhythmus "1 a 2" getanzt werden. Sowohl jedes Beugen als auch jedes Strecken dauert 1/2 Taktschlag.
Durch die Überlagerung der beiden Rhythmen "1 a 2" (z.B Wischer) und "& 1 & 2" (Bounce Aktion) entsteht der Samba-typische Rhythmus "& 1 & a 2".

Die verschiedenen Rhythmen:

Viele Figuren in der Samba bestehen aus Schritten, die unterschiedliche Taktschlagwerte verlangen. Es gibt folgende verschiedenen Kombinationen von Rhythmen und Taktschlagwerten:

Anzahl Schritte   Rhythmus Taktschlagwerte
3
  1a2 3/4, 1/4, 1
7
  1a2a3a4 3/4, 1/4, 3/4, 1/4, 3/4, 1/4, 1
3
  SQQ 1, 1/2, 1/2
3
  QQS 1/2, 1/2, 1
7
  SQQQQQQ 1, 1/2, 1/2, 1/2, 1/2, 1/2, 1/2
2
  SS 1, 1
5
  SSQQS 1, 1, 1/2, 1/2, 1
3
  1, 2, 3 3/4, 1/2, 3/4
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Cha Cha Cha:

Taktart: Der Takt ist 4/4.
Betonung: Der 1. Taktschlag eines jeden Taktes ist betont. Der Tanz sollte mit einem Schritt auf den 1. Taktschlag begonnen werden.
Tempo: 28/30 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Er stammt aus Kuba. Er wurde von Enrique Jorrin (u.a.) aus dem Mambo entwickelt und 1957 von Gerd und Traute Hädrich nach Deutschland "importiert", wo sich der weiterentwickelte Triple Mambo (was heute noch am Chassé zu erkennen ist) als Cha Cha Cha etablierte.
Charakter: Im Gegensatz zur feurigen Rumba ist der Cha Cha Cha ein amüsanter, koketter Flirt, alles ohne Ernst, ohne Passion, dafür keck, fröhlich, perlend wie Sekt. Diese übermütige Natur ist schon in der Musik zu hören. So müssen auch die brillianten Figuren getanzt werden. Beine, Arme, Hände und Finger, der ganze Körper, sogar die Augen sind in ständiger Bewegung. Die Hüftbewegungen unterstreichen den lateinamerikanischen Charakter.

Rhythmus und Taktschlagwerte:
Die Musik ist so aufgebaut, daß der 4 . Schlag eines jeden Taktes in zwei gleiche Teile aufgeteilt ist. Getanzt werden die ersten beiden Schritte des Cha Cha Cha Chassé zugleich mit diesen beiden 1/2-Taktschlägen, die sich aus der Teilung des 4. Taktschlages ergeben. Der dritte Schritt des Chasse wird auf dem ersten Taktschlag des folgenden Taktes getanzt.

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Rumba:

Taktart: Der Takt ist 4/4.
Betonung: Ein vorwiegend von Schlaginstrumenten erzeugter Akzent betont den 4. Taktschlag eines jeden Taktes. Der Tanz sollte mit einem Schritt auf den 4. Taktschlag begonnen werden.
Tempo: 27-29 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Sie stammt aus dem Mambo-Bolero und ist mit der Habanera verwandt. Sie ist ein afrocubanischer Werbungstanz.
Charakter: Der Liebestanz. Der unverbindliche Flirt wird aus dem Cha Cha Cha übernommen, jedoch nun ernsthaft. Es werden Gefühle jenseits eines Flirts gezeigt. Es wird auch immer das Spiel der Dame erkennbar sein, in einem Augenblick den Partner zu umwerben und im nächsten Moment in kurz nicht zu beachten, während der Partner stets darauf aus ist, die Gunst der Dame zu erwerben. Die Dame schwankt zwischen Hingabe und Flucht und der Herr zwischen "Zuneigung" und "Selbstherrlichkeit". In Deutschland wurde die Rumba 1932 ins Turnierprogramm aufgenommen. Sie ist der Klassiker unter den Lateintänzen, erfordert Ausdruckskraft und Sparsamkeit der Mittel.

Rhythmus und Taktschlagwerte:
Die Rumba ist ein "Körpertanz". Die Hüftaktionen entstehen durch kontrollierte Gewichtsverlagerung von einem Fuß zum anderen. Jede Fußbewegung dauert 1/2 Takt. Die Gewichtsverlagerung der Körperaktion entsteht dann in der 2. Hälfte des Taktschlages für die Schritte, die auf den Taktschlag 2 und 3 gesetzt wurden. Bei den Schritten, die auf zwei Taktschlägen getanzt werden (nämlich solche auf 4.1) werden für die Gewichtsverlagerung oder die Körperaktion eineinhalb Taktschläge benutzt.
Um diese rhythmische Interpretation zu zeigen, wird jede Figur nach einem vorbereitenden Schritt auf Taktschlag 4 wie folgt gezählt:
4 + 1 + 2 + 3 + 4 + 1 + 2 + 3 + ...

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Paso Doble:

Taktart: Der Takt ist 2/4.
Betonung: Der 1. Taktschlag jedes Taktes ist betont. Der Tanz sollte mit einem Schritt auf dem 1. Taktschlag der musikalischen Phrasierung beginnen.
Tempo: 60/62 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Eine in Spanien und Frankreich entwickelte Darstellung des Stierkampfes mit Einschluß von Flamenco-Elementen.
Charakter: Willkommen in der Stierkampf-Arena. Der Partner ist hier ganz klar der Boss. Er stellt nämlich den Torero dar, der sich über die Dauer des Tanzes mit einem imaginären Stier misst. Wie durch "imaginär" schon angedeutet, nimmt die Partnerin im Allgemeinen nicht die Rolle des Stieres ein, sondern die der "Capa", dem roten Tuch des Toreros. Im Laufe der Entwicklung des lateinamerikanischen Tanzsports kann die Dame aber auch in weiteren Rollen auftreten, wie vereinzelt als Stier und häufig als "stolze Spanierin", welche die Chef-Position im Macht-Gefüge des Paares während des Paso Dobles in Frage zu stellen vermag. Diese "stolzen" Elemente der Dame haben meist ihre Herkunft im Flamenco.
Durch die Stellung des Paares zueinander ist immer klar, wo sich der "imaginäre" Stier im Kampf aufhält. Die Musik, ein spanischer Marschtanz, besteht aus einer Einleitung und zwei Hauptteilen mit genau festgelegten Höhepunkten, nach denen sich die Choreographie richtet.
Eine weitere Besonderheit des Paso Doble sind die eben erwähnten Höhepunkte, sogenannte "Highlights", also Fräsuren in der Figurenabfolge des Paares und meist auch in der Musik, die den Tanz aufteilen und so Abschnitte im Kampf gegen den Stier markieren.


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Jive:

Taktart: Der Takt ist 4/4.
Betonung: Schlagzeug-Akzente betonen deutlich den 2. und 4. Taktschlag.
Tempo: 42/44 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Im Schwarzenviertel New Yorks, in Harlem, steht seine Wiege. Er wurde als "Jitterbug" und "Boogie-Woogie" (später auch "Bebop") um 1940 von amerikanischen Soldaten nach Europa gebracht, in England zum Jive entwickelt und schließlich in das Turnierprogramm der Lateintänze aufgenommen (Profis national 1968, Amateure national 1973, international 1976). Mit ihrer Off-Beat-Betonung auf "zwei" und "vier" verrät die Musik ihren afrikanischen Ursprung.
Charakter:

Der Jive ist der schellste Tanz. Ihm fehlen im Vergleich zum Rock'n'Roll die Wurf- und Sprungelemente. Er besticht durch spritzige Figurenabfolgen und versprüht Lebensfreude und Ausgelassenheit pur. Seine Wesensart wird durch die Boogie-Musik bestimmt. Jive ist der Tanz der totalen Mechanisierung, hart, aber manchmal auch weich und katzenhaft, ein Rausch an Bewegung aus dem Spiel der Glieder und des Körpers. Die Bewegung folgt den monotonen Schlägen des Rhythmus' und gibt den Tänzern befeuernde und betäubende Kraft. Es ist immer ein "Eye-Catcher", wenn Könner dieser Bewegungen die Zuschauer zu Beifallsstürmen hinreissen. Denn wenn es gut aussehen soll, ist der Jive nicht einfach zu tanzen.

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Langsamer Walzer:


Taktart: Der Takt ist 3/4.
Betonung: 1. Taktschlag ist betont.
Tempo: 30 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Der Langsame Walzer entwickelte sich in den zwanziger Jahren in England aus dem Boston.
Charakter:

Der Langsame Walzer hat mit dem Wiener Walzer eigentlich nur den Dreivierteltakt gemeinsam. Im Turnierprogramm steht er an erster Stelle und hinterläßt bei Publikum und Wertungsrichtern den vielleicht entscheidenden ersten Eindruck. Schwung und Drehung, die beiden Grundelemente des Standardtanzens, sind im Langsamen Walzer an deutlichsten zu erkennen. Von einem Höhepunkt zum anderen tanzen, also schwingend wie ein Pendel. Das Schwingen ermöglicht mit raumgewinnender Bewegungstechnik und Drehungen die Ausführung der typischen Bewegung und verleiht dem Tanz seinen weichen und runden Charakter. Die weiche, teilweise schmelzende und manchmal weibliche Waltz-Musik, die man extra für ihn komponiert hat und spielt, sollte eigentlich den Menschen das selige Langsame-Walzer-Gefühl empfinden lassen. Sentimentalität ist sicher ein Teil seines Charakters, und vielleicht brauchen viele Paare sie neben dem harten Sport zum besseren Waltz-Tanzen. Er gilt als der schwierigste Standardtanz und ist dementsprechend auch der meistgeübte.

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Tango:


Taktart: Der Takt ist 2/4 (bzw. 4/8)
Betonung: 1. Taktschlag ist betont (bzw. 1 & 3).
Tempo: 33 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Der "Ur-Tango" mit dem Beinamen "Argentino" zeigt sein Herkunftsland an. Wenn er seitdem auch entscheidende Wandlungen durchgemacht hat, so ist die Zwiespältigkeit auch zwischen harten und weichen Bewegungen in seinem Wesen geblieben.
Charakter:

Seine Bewegungen sind einmal hart, ruckartig und männlich, andererseits aber weich fast schleichend weiblich. In ihm steckt Dynamik und Sanfmut zugleich, was auch die Tangomusik zum Ausdruck bringt. Trotz heftiger Bewegungen und plötzlicher, zögender Pausen sollen die Beine immer gleich schnell bewegt werden. Nicht harte Beinbewegungen, sondern schnelle Körperbewegung sind für den Tango charakteristisch. Er ist einer der ausdrucksstärksten Tänze und lebt vom Wechsel zwischen Aktion und Pause.

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Wiener Walzer:

Taktart: Der Takt ist 3/4 bzw. eigentlich 6/8. Mathematisch identisch hat es doch musikalisch eine etwas andere Bedeutung. Denn 6/8-Takt wird eigentlich als 2 Triolen gespielt und als 2/4 dirigiert.
Betonung: 1. Taktschlag ist betont.
Tempo: 60 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Der Wiener Walzer ist der Beitrag der deutschsprachigen Länder zum Turniersport. Der älteste aller Turniertänze war als "Dreher", "Ländler" oder "Langaus" oft etwas verpönt, bis er durch die Strauß-Dynastie hoffähig wurde. Der Nürnberger Tanzlehrer Paul Krebs hat ihm die heutige Turnierform gegeben.
Charakter:

Von dem "schwingenden" Langsamen Walzer unterscheidet er sich durch die allgemein vorherrschende rotierende Bewegung. Sein Schwung resultiert aus den vorwärts strebenden Drehungen. Bei der hohen Geschwindigkeit (60 Takte in der Minute) brauchen die Tänzer entsprechende Körperneigungen, weil sie sonst die notwendige Balance verlieren. Es gibt beim Wiener Walzer auffallend wenig verschiedene Schritte; trotzdem erfordert es viel Übung und Fleiß sie meisterlich vorzuführen. Davon abgesehen benötigt man noch eine gehörige Portion Kondition, um das schnelle Tempo mit aller gebührenden Eleganz durchzustehen.

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Slow Fox:


Taktart: Der Takt ist 4/4.
Betonung: Der 1. und 3. Taktschlag ist betont.
Tempo: 30 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Seine Vorfahren sind Onestep und Rag. Weiterentwicklung in England.
Charakter:

Sein Wesen besteht im Nicht-Auffallen. Fliegende, weiträumige Gehbewegungen in künstlerische Form gebracht, getragen von der herrlichen Slow-Musik. Im Tempo hat er gewisse Ähnlichkeit mit dem Langsamen Walzer; jedoch wie dort die Pendelbewegung typisch ist, will man hier eine langgestreckte Wellenbewegung erkennen können. Der kontinuierliche Bewegungsfluß charakterisiert den Slowfoxtrott. Seine Wellenbewegung weist nur geringe Höhenunterschiede auf, was in der gelaufenen Bewegung ohnehin nicht anders möglich ist. Das Pendeln ist zwar auch nicht ganz fremd, aber beim Slow Fox sind nur die Beine schwingende Pendel. Die hohe Kunst zeichnet sich dadurch aus, den am meisten auf natürlichen Gehbewegungen beruhenden Tanz, nicht langweilig wirken zu lassen. Raumgewinn, Musikalität und Lässigkeit müssen gleichermaßen gezeigt werden. Zurückhaltende Eleganz ohne deutliche Akzente.

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Quickstep:


Taktart: Der Takt ist 4/4.
Betonung: Der 1. und 3. Taktschlag ist betont.
Tempo: 50 Takte pro Minute.
Herkunft / Entwicklung: Beeinflußt durch den Charleston entwickelte sich der Quickstep aus dem Slowfox. Als Geburtsjahr nimmt man 1927 an.
Charakter:

Beim Quickstep gibt es keine Zeit für Pausen. Das Tempo wird gelegentlich bis zur Rasanz gesteigert; ein bißchen Leichtigkeit, ein bißchen Humor, hier und da kleine eingestreute "Kunststückchen" machen den Quickstep oft zum Publikumsliebling. Alles sollte im Fluß bleiben; beschwingt, voller Übermut und guter Laune regt er immer wieder zu neuen Schrittvariationen an. Bei jedem Turnier ist ihm der Applaus auf "offener Szene" gewiß.
Bei 50 Takten in der Minute müssen sich die Tänzer flott bewegen. Nur durch flüssiges Tanzen mit lustigen, perlenden und hüpfenden Schritten kann man seinem Takt folgen. Das richtige Mass zu finden, ist hier sehr wichtig. Gut getanzt, sollen die Quickschritte fast etwas zögernd und lässig sein. Dabei darf aber die kecke, sprühende Lebendigkeit nicht verlorengehen. Abgehackt und ruckartig sind nicht seine Eigenschaften, beim Quickstep ist immer alles im Fluss, wie auch die Musik, die man extra dafür komponiert, arrangiert und spielt. Viele Menschen sagen, dieser Tanz sei beschwingt und berauschend und wegen des ewigen Wechsels von slow und quick ausgesprochen lustig.

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